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Skandalös: Blinde Amtsveterinäre im Fall Mörfelden ?

 Dazu: Pressestimmen

Seit einigen Tagen geistern böse Geschichten durch die Pferdeforen des Internets. Offenbar zu recht werden wieder einmal Amtsveterinäre angegriffen, die offenbar mit weißem Blindenstock und gelber Armbinde mit schwarzen Punkten  ihren Beruf ausüben.

Schon vor ca. 12 Monaten wurde ein Pferdehalter – Paar (beide arbeitslos) in Mörfelden bei Frankfurt auf die miserable Haltung von 4 (!) Großpferden  angesprochen. Seither schleimen sie bei der Amtsveterinärin, was das Zeug hält! Sie ist allen Ernstes der Meinung, dass es sich um freundliche Menschen handelt, mit denen sie zu tun hat.

Stimmen aus vorherigen Ställen, in denen das Paar seine Pferde hielt (und nicht mehr bezahlen konnte) besagen, dass sich der Mann mehrfach geäußert habe, man müsste Fohlen „großhungern“ und dürfte erwachsene Pferde nicht überfüttern. Hier das Ergebnis des Versuchs:

                        

                           Fotos: Verena

Weitere aktuelle Fotos hier          Sat1Akte02/Beitrag als Web-Video anschauen

Am vergangenen Sonntag hinderten Pferdeschützer den Mann daran, mit einem kleinen

Opel – Astra und einem seit Mai 2001 TÜV – abgelaufenen Doppelanhänger eines der Pferde (ohne Equidenpass) fortzuschaffen, indem sie die Straße blockierten und die Polizei informierten. Dann kam das große Staunen: die Polizei ließ den Mann ohne Konsequenzen weiterfahren !! Angeblich sei er mit einem Notfall auf dem Weg zur Klinik... Tatsächlich gings bis zur nächsten Tankstelle, man kaufte eine Flasche Sekt und fuhr weiter zum Haus- und Hoftierarzt, der die Flasche entgegennahm. Die Anhängerklappe wurde heruntergelassen, das Pferd für 3 Sekunden begutachtet und die Fahrt ging weiter – mit Vollgas an der Tierklinik vorbei - zur nächsten Reithalle!

Das vorne rechts und hinten links lahmende Pferd wurde longiert und geritten...

Derweil standen die drei Stallkameraden hungernd und durstend in ihren Paddocks, weil man sich noch nicht einmal die Mühe gemacht hatte, sie um 8.00 Uhr morgens zu versorgen. Das sind sie nicht gewohnt, denn normalerweise gibt’s nur einmal täglich Nahrung – vorzugsweise nachts um 22.30h, wie Anwohner übereinstimmend berichteten. Wenn die Wasserpumpe funktioniert, gibt’s auch Wasser.

Eine zweite Frau Amtsveterinärin begutachtete am Nachmittag auf Drängen der anwesenden Tierschützer die Tiere und fuhr ebenfalls unverrichteter Dinge wieder davon, als das lahmende Reithallen – Pferd wieder zurückgebracht wurde. Es fand ein Schauspiel statt, in dem allen Anwesenden gezeigt werden sollte, wie viel Futter die Tiere doch bekommen: leider war es schnell im Matsch untergemischt und zum großen Teil nicht mehr fressbar. Bergeweise verschimmelter Mist im Stall, Stacheldraht, kaputte Knotengitter und ein gänzlicher fehlender Misthaufen ließen und lassen die Amtsveterinäre kalt. Auch zerbrochene Glasscheiben, Asbestplatten, Plastikmüll im Bewegungsbereich der Pferde wurden offenbar nicht registriert. Neu herbeigeholtes (uraltes!) Heu, das im Oktober ohne Witterungsschutz neben unzähligen vergammelten anderen uralten Heuballen deponiert wird und der Fütterung dieser  „armen, vorm Schlachter geretteten Kreaturen“ dient, finden die Amtsvets so normal, dass sie noch einmal eine Frist für Verbesserungen einräumen.

Die „Verbesserungen“ gipfeln darin, dass nun alle Pferde gleichzeitig Zugang zum Stall haben...

Der kleine, Einäugige wird sich freuen. Nun kann ihn die dominante, alte Stute nach Belieben verprügeln – er kann ja nicht sehen, wenn sie droht. Der Fuchs „Jack Daniels“ wird sich seiner Haut nicht wehren können, denn er ist hochgradig dämpfig und in miserabler körperlicher Verfassung und wird durch die Fütterung mit trockenem, stinkigem, alten Heu bestimmt nicht gesünder. Ich bin der Meinung, dass Amtsveterinäre zukünftig entweder einen Berufs – Fähigkeitsnachweis erbringen müssen oder größere Handlungsspielräume erhalten, damit solche erbärmlichen Tierquälereien wie die oben beschriebene endlich ein Ende finden!

Mehr dazu unter www.agrar.de (Anzeige wegen Tierquälerei)  

S.M / 22.10.2002


Ausschnitt aus einem Schreiben an das Veterinäramt:

"....Gegen 4 Uhr früh am 20. Oktober 2002 traf ich in Begleitung dort ein. Die drei  im Außenbereich anwesenden Pferde standen zitternd, steif und starr vor    Kälte im Taschenlampen –Licht. Eines der Tiere, der ca. 2-jährige Wallach, zeigte massivste Probleme mit der Hinterhand und deutlich schwankende Bewegungen. Ich bin nicht der Meinung, dass die derzeitigen nächtlichen Temperaturen zu kalt    für ein gesundes Pferd sind. Die hier vorgefundenen Tiere sind jedoch allesamt  stark unterernährt und haben keinen einzigen trockenen Platz zur Verfügung.

Gegen 6 Uhr früh bestätigte sich das Bild noch einmal.

Die dreiste Aussage der Pferdehalter am Nachmittag gegenüber Ihrer Kollegin  Frau Dr. Jung, die Tiere hätten nachts Zugang zum Stall, entspricht nicht der Wahrheit. Aus gutem Grund werden die Tiere sogar tagsüber getrennt gehalten. Eine nächtliche Aufhebung dieser Trennung vorzunehmen ist nahezu unmöglich,     da keine Gelegenheit besteht, die Tiere auch im vorhandenen Unterstand      getrennt zu halten. (Als erfahrene Tierärztin werden Sie sicher wissen, wo die Gründe für die derzeitige räumliche Aufteilung liegen. Daher an dieser Stelle     keine genauere Erklärung zu diesem Thema.)

Was durch diese (erforderliche!) Trennung bedingt, die Haltung ohne Möglichkeit zum Unterstellen für zwei der Pferde betrifft, verweise ich an die als Anhang versendeten Auszüge aus den „Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltungen   unter Tierschutzgesichtspunkten, die ja u.a. von der Deutschen Veterinärmedizinischen Gesellschaft e.V.  und der FN erarbeitet wurden. Diese Leitlinien dienen doch den zuständigen Behörden (sprich: Veterinärämtern) als Grundlage u.a. bei erforderlichen Anordnungen nach §16a des Tierschutzgesetzes. Gilt das nicht im Raum Groß - Gerau?

Durch die Aktivitäten verschiedener Anwohner, Tierschützer, Pferdefreunde und Spaziergänger konnte glaubhaft festgehalten werden, dass in diesem speziellen    Fall die Tiere höchstens ein Mal täglich mit Futter versorgt werden, das nach etwa 1,5 Stunden fast restlos verzehrt ist - in der Pferdehaltung einfach zu wenig . Nach wenigen Stunden ohne Futter sterben im Verdauungssystem des Pferdes sehr wichtige Mikroorganismen ab – was Ihnen ja bekannt sein dürfte.

Das Futter, welches die Pferde gestern Nachmittag im Beisein Ihrer Kollegin erhielten, musste  wieder für die nächsten 24 Stunden ausreichen: Trotz der Tatsache, dass es teilweise im Dreck vertrampelt wurde, weil auch gestern niemand gemistet hat – es gibt dort gar keinen Misthaufen – und die Tiere gelegentlich auf das Heu urinieren…

Diese Pferdehaltung ist eine einzige Katastrophe.  

Seit ca. einem Jahr dürften Ihnen die Gegebenheiten in dieser Offenstall – Anlage bekannt sein.

Die gestern vorgefundenen Zustände dulden keinen Aufschub, was eine Veränderung angeht.

Sollte Ihr Nicht - Handeln darin begründet liegen, dass Ihnen keine Adresse für eine artgemäße, sauberend fütterungstechnisch erfahrene Pferdehaltung vorliegt, in der Sie die hier betroffenen Tiere kurzfristig unterbringen können, würde ich Ihnen gerne behilflich sein.

Also gibt es keinen Grund, diese Pferde noch länger solchen unzumutbaren Umständen auszusetzen.

Die hygienischen Anforderungen werden noch nicht einmal im Ansatz erfüllt. (Verschimmelter Mist,         Misthaufen nicht vorhanden, matschiger Paddock mit untergetretenem Mist, der sich gleichzeitig mit dem       Futter vermischt,   braunes oder gar kein Wasser, Heu lagert ohne Schutz vor Regen draußen, nicht       artgerechte, kaputte Zäune…vor Hunger(!!)  benagte Holzwände im   Inneren des Stalles, die von außen gut  sichtbar sind.)

Welchen Grund sehen Sie, die Tiere noch länger dort zu lassen?

Beobachten Sie die tatsächlichen Gegebenheiten zu verschiedenen Uhrzeiten und ohne Wissen der Tierhalter, damit Sie ein ehrliches Bild von der Situation bekommen.

Ich bitte um eine rasche Stellungnahme.

Die bereits stark angeschlagene Gesundheit dieser Tiere duldet keinen langen behördlichen Weg und auch für Sie sollte der Satz  „in dubio pro animale“ gelten, den den die tvt  (Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz) so schön auf ihre Fahnen geschrieben hat.

Ihr Kollege Herr Dr. Steinbüchel (Düsseldorf) hat vor laufender Fernsehkamera 1999 gesagt,

„…Tieren, die Leiden erdulden müssen, muß sofort geholfen werden.“

Mit freundlichem Gruß.."

21.10.2002

 

Hier lesen Sie die Antwort des zuständigen Vet-Amtes!

 

Hier die Presseerklärung der DVSP  (Deutsche Vereinigung zum Schutz des Pferdes)

Senden Sie E-Mail mit Fragen oder Kommentaren zu dieser Website an: mail@pferdeschutz.org 
Stand: 19. Juli 2006