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Missglückte Pferderettung
Die folgende Geschichte
liegt schon ein paar Jahre zurück. Meine damalige Reitbeteiligung erzählte
mir von einem privaten Reitstall bei uns in der Gegend wo einige ihrer
Freundinnen reiten würden. Die Zustände dort seien nicht so toll und
ich sollte mir das doch mal ansehen. Also fuhr ich mit ihr dort hin.
Dort angekommen traf mich fast der Schlag. Der Stall war aus Wellblech
und besaß keine Fenster. Das Areal drumherum in dem die Pferde
Auslauf hatten, lag voller Geröll und Gerümpel. Wir gingen in den
Stall. Der erste Eindruck, den ich hatte war: Was für ein dunkles
Loch. Die Pferde standen auf hoher Matratzenstreu, die Luft war feucht
und stickig. Über den Tieren war eine Decke eingezogen, dort lagerte
Heu und Stroh (einige Mädels auf der engen Stallgasse waren am
Rauchen, Feuerschutz schien hier kein Thema zu sein). Ich begann mir
die Pferde anzusehen. Manche hatten kaum Platz aufrecht zu stehen. Sie
stießen mit ihren Köpfen unter die Decke, an einigen Balken ragten
lange Nägel heraus, eine Riesenverletzungsquelle. Was mich wunderte,
dass einige Reiter hier ihre Privatpferde unterstellten. Nun zu den
Pferden: dort stand z.B. eine Stute mit Fohlen in einem winzigen
Stall, das Fohlen hatte einen angeboren Bockhuf und konnte nicht
richtig stehen. Die meisten Tiere sahen recht verwahrlost aus mit zu
langen Hufen, Hautproblemen, etc. Ich war echt schockiert. Auf einmal
kam ein junger Mann auf mich zu und fragte, was ich hier machen würde. Ich sagte ich hätte gehört hier wären einige Pferde zu verkaufen (die Mädels sagten mir vorher, dass hier öfter mal Pferde verkauft werden) und ich würde mich für die Stute Baccara interessieren. Er zeigte mir das Tier. Er sagte sie wäre tragend von dem Deckhengst aus dem ersten Stall. Ich fragte nur, wie ein so unterernährtes Tier noch eine Trächtigkeit verkraften sollte. Er antwortete ich hätte ja keine Ahnung, dass wäre von natur aus ein schlankes Pferd und ob ich trotzdem noch Interesse an dem Tier hätte. Ich bejahte und fragte ob ich mir den Deckhengst doch mal ansehen könnte. Gesagt, getan, was ich zu sehen bekam verschlug mir fast die Sprache. In der ersten Box stand ein Scheckhengst, der höchstgradig dämpfig war, struppig und verwurmt aussah, sicherlich nicht in der Lage auf eine Stute aufzuspringen und Fohlen zu zeugen. Ich äußerte mein Entsetzen und wurde daraufhin unsanft hinausbefördert mit den Worten ich sollte bloß verschwinden. Wir fuhren wieder nach Hause, ich setzte mich mit meiner Freundin in Verbindung, die eine sehr engagierte Tierschützerin kennt. Wir trafen uns am nächsten Tag und fuhren gemeinsam zum Stall. Die Tierschützerin betrat den Stall und machte sich ein Bild, wir blieben im Hintergrund. Sie kam raus und sagte das wären ja unhaltbare Zustände dort, sie würde sofort eine Anzeige anstreben. Wir gingen zum Wohnhaus und klingelten, heraus kam ein älterer Mann und fragte was wir wollen. Die Tierschützerin sprach ihn auf die unhaltbaren Zustände der Pferde und Stallungen an und ab da drehte der Kerl völlig durch was uns das anginge wir sollten verschwinden und fing an auf die Tierschützerin einzuprügeln, wir gingen dazwischen der Kerl verschwand kurz um die Ecke und kam mit einem Gewehr wieder heraus, er zischte wir sollten verschwinden sonst würde es knallen. Wir nahmen daraufhin unsere Beine in die Hand und liefen quasi um unser Leben. Um die Geschichte jetzt abzukürzen: Wir meldeten das alles dem Veterinäramt, die sahen sich das alles an. Wir fuhren in regelmäßigen Abständen heimlich zum Stall, aber es tat sich nichts. Wir setzten uns wieder mit dem Veterinäramt in Verbindung. Dort hieß es dann, die Zustände in diesem Stall wären zwar nicht toll, aber man könnte nichts machen, erst wenn z.B. ein Tier verendet im Stall läge. So waren uns also die Hände gebunden und die Tiere dort müssen weiter leiden. Achja, der ältere Mann war beim Tierschutz schon bekannt, er hatte schon ein lebenslanges Tierhaltungsverbot aufgebrummt bekommen, aber durch unsere Gesetzte läuft der Stall auf den Namen seiner Frau und schon ist wieder alles in Ordnung. Ein halbes Jahr später rief mich eines von den Mädchen unter Tränen an und sagte in einer Nacht- und Nebelaktion hätten die Besitzer mehrere Pferde (die nicht mehr von Nutzen waren und somit auch nicht mehr verkaufbar) aus dem Stall geholt - der Bestand sollte verkleinert werden, da der alte Stall abgerissen werden sollte und ein neuer kleinerer Stall am Wohnhaus entstehen sollte - die Tiere wurden auf dem Hof von einem befreundeten Schlachter mit dem Gewehr und Bolzenschussgerät „hingerichtet“. Nachtrag: vor gut einem Jahr bin ich noch mal hingefahren, um mir den neuen Stall anzusehen. Sieht zwar ganz passabel aus, aber die Pferde sehen nach wie vor sehr erbärmlich aus.
Ein Erfahrungsbericht von Sonja Steffen |
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