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In Deutschland ist Pferdeschutz zunehmend ein heikles Thema

Vorwürfe gegen Pferdeschützer und Schutzhöfe nehmen zu – in einigen Fällen sicher berechtigt:

Wer sich Pferdeschützer nennt, sollte zunächst mal bei den eigenen Tieren anfangen und dafür sorgen, dass deren Wohlergehen „im grünen Bereich“ liegt. Will heißen, dass der eifrige Pferdeschützer theoretisches Wissen , bspw. im Bereich Hufpflege, ebenso in die Praxis umzusetzen in der Lage sein muss, wie die Behandlung von psychischen Problemen bei Tieren, die aus schlechter Haltung kommen. Er sollte wissen, welcher Tierarzt die Pferde am sinnvollsten behandelt; der sich mit seinen Diagnosen und Behandlungsmethoden nicht in einer Grauzone bewegt. Zäune und Stall/Unterstand sollten keine Gefahr für die Pferde darstellen und auch im Winter müssen die Tiere eine matschfreie Liegezone zur Verfügung haben. So ein Tierschützer sollte wissen, dass einem Hengst die Hormone durchgehen, wenn er eine Stute auf der Nachbarweide wittert oder sieht und sich und andere durch sein hengstisches Gebaren in große Gefahr bringen kann. Ein Pferdeschützer sollte wissen, dass gewöhnlich im besonderen Pferde, die aus schlechter Haltung übernommen wurden, viel Geld kosten... Eigens eine Pferdeschutz- Organisation zu gründen, um sich durch Spenden die eigenen, privaten Pferde finanzieren zu lassen, ist schäbig. Genauso schäbig ist es, mit sichergestellten Tieren aus ehemals schlechter Haltung zu züchten, damit sie „ihr Futter verdienen“.

Ein erfolgreicher Tierschützer kann nur sein, wer den Verkauf/die Abgabe von Tieren an unpassende Tierhalter zu verhindern weiß und gewissenlose Vermehrer von Tieren bloßstellt. Glücklicherweise ist der Geldbeutel des Menschen empfindlichster Punkt, den ernstzunehmende Pferdeschützer immer wieder betonen:

Ein korrekt versorgtes (Klein-) Pferd kostet derzeit gut und gerne 400 € pro Monat.  Stallmiete, Zubehör, Schmied, Tierarzt, Versicherungen, Reitplakette, Zusatzfutter und sogar Fachlektüre und Reitstunden oder Kurse mit eingerechnet. Wer meint, auf Fachlektüre und Reitstunden verzichten zu können, stellt möglicherweise ein großes Problem für sein Tier dar. Wer meint, durch die Anschaffung eines eigenen Pferdes die Reitstunden gespart zu haben, zeigt lediglich, dass er in Bezug auf Pferde über den  Laienstatus nie hinweggekommen ist.

Außerdem muss immer wieder betont werden, dass in Eigenregie gehaltene Pferde u.a. besondere Ansprüche an die Versorgung während der Abwesenheit des Halters stellen. Spielt der Chef mit, wenn das Pferd plötzlich morgens krank im Stall liegt und der Mensch nicht zur Arbeit kommen kann, weil er auf den Tierarzt warten muss? Wer baut wann die Zäune und bezahlt sie? Wer liefert (gegen Entgeld) das jährliche Winterfutter? Wo wird es gelagert? Wer erstellt die Drainage für den Paddock, mäht mulcht und düngt die Weiden? Alle diese Fragen und noch unzählige andere sollten vor der entgültigen Pferdehaltung beantwortet sein.

Niemand kann von einem Tag auf den anderen „Pferdehalter“ sein – das ist ein Prozess, in den man hineinwachsen muss. Er erfordert viele Jahre Erfahrung in fremden Ställen oder eine enorme Bereitschaft zum lernen : sonst wird der Tierfreund ganz schnell zum Tierquäler - ohne es zu wollen - und schon wieder steht ein weiteres Pferd auf einem Pferdeschutzhof, von dem man nicht weiß, aus welchen Beweggründen er gegründet wurde...

 Britta St.     


Leserkommentare:

In letzter Zeit entstehen immer mehr sog. "Schutzhöfe" ich habe langsam das Gefühl, das hier eine Marktlücke entdeckt worden ist. In Zusammenarbeit mit dem Veterinäramt sichergestellte Tiere aufzunehmen und dann für deren Unterbringung "abzukassieren" ohne über eine Vernünftige/Artgerechte unterbringjung zu sorgen. Das kann und darf nicht Sinn und Zweck von Schutzhöfen sein. Es kann doch nicht sein das es beschlagnahmten Pferden auf ihren Sicherstellungs- Plätzen schlechter geht als beim alten Halter !
Man kann das Halten von Pferden/Tieren aus dem Tierschutz nicht mit dem Halten von gesunden Pferden/Tieren gleichstellen. Ein Tier aus dem Tierschutz braucht noch mehr Fürsorge, Aufmerksamkeit und Pflege. Es kann vorkommen das der Tierarzt mehrere Stunden anwesend ist und man 24h Stunden damit verbringt die Wunden und Krankheiten zu pflegen, aber auch Seelisch brauchen diese Tiere mehr Aufmerksamkeit. Sie haben den Menschen nur als Tyrann erfahren, Vertrauen muß aufgebaut werden. Wer hierbei ans Geld denkt ist auf dem falschen Weg, sicher zahlen die Vet`ämter für die Unterbringung aber der Rest ist Eigenleistung die man in die Pferde aus Liebe zu Ihnen steckt.........
                          Darum kann ich nicht verstehen, das Pferde einfach Versteigert werden oder verkauft ohne ein Zuchtverbot oder Hengste die nicht gelegt wurden. Da ist doch das ausbeuten vorprogrammiert. In einigen Foren war auch zu lesen das sich Leute darüber aufregen das keine Papiere bei den Pferden sind !??? Ja, und !! Wer ein Tier aus dem Tierschutz übernimmt sollte sich im klaren darüber sein, das er hier eine "gestrandete Existenz" unserer Wohlstands Gesellschaft hat das auf KEINEN Fall mehr zur Zucht bzw. zur Kommerziellen Nutzung eingesetzt werden darf.

Persönlich habe ich schon sehr viele Tierschutzfälle gesehen und wer einmal in die Augen eines gequälten Pferdes geguckt hat, oder ein Pferd auf seinem letzen Weg beleitet hat der nur noch Erlösung für es bedeutet hat, nach der Peinigung durch Menschen, kann nicht ernsthaftes Interesse daran haben mit solchen Tieren Geld zu verdienen.

 

Kati

OKt.2002

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Stand: 19. Juli 2006